Broyhan                                                                       

galt im 18. und 19. Jahrhundert als hallesches “Nationalgetränk“. Der Überlieferung nach versuchte im Jahr 1526 ein Cord Broyhan, Bierbrauer aus Stöcken bei Hannover, in seiner Heimat Hamburg Weißbier zu brauen. Aus diesem Gebräu entstand sehr bald der bei unseren Vorfahren so beliebte Broyhan ( auch Breihan, Bryhan, Brüyhan ). Das ursprünglich nur aus Gerstenmalz und ohne Hopfenzusatz obergärige gebraute Bier besaß eine helle Farbe und einen angenehmen süßlich-säuerlichen Geschmack. In der Folgezeit wurde in immer mehr Orten Bier nach Art des Broyhans gebraut. Es gab unter Verwendung von Weizenmalz sowie Hopfen zahlreiche lokale Varianten und auch „dunkler“ Broyhan fand Verbreitung. Angeregt durch kurfürstlich-brandenburgischen Erlaß aus dem Jahre 1690 begann in Halle das „Brühan- und Weißbierbrauen“, wegen des dazu „bedürffenden Saal-Wassers“ zunächst aber nur im Hospitalbrauhause am Moritztor. Nach dem Ende alter Braurechte des 19. Jahrhunderts nahm auch die 1816 gegründete und bald renomierte Brauerei von Christian Gottfried Rauchfuß ein dem Boyhan ähnliches obergäriges Bier ins Sortiment.

Zu den Hauptkonsumenten des Broyhans zählten stets die halleschen Studenten. Welche Ausmaße ihre Zechgelage annahmen, zeigten die berüchtigte „Affäre“ im Gasthof zum Grünen Hof am 1.April 1716, wo ein jeder der 20 Studenten „30 Maß Bryhan in una serie in die Kehle zu gießen sich verschworen. 13 Menschen erlagen dieser Völlerei und der Wollust, der dabei gefrönt wurde.“ Der besonders beliebte Beesener Broyhan wurde im städtischen Rathauskeller ausgeschenkt. Das nach der Biersorte bereits 1614 benannte „Stammhaus“ im Dorf Beesen galt als studentisches Ausflugslokal schlechthin. Nach einem Streit mit dem Universitätskurator zog fast die gesamte Studentenschaft am 7. Februar 1822 zur Broyhanschenke. Die Universität gab klein bei und nach drei Tagen des feuchtfröhlichen Exils kehren die streikenden Musensöhne wieder von Beesen nach Halle zurück.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verdrängten untergärige Lager- und Exportbiere, sowie stärker gehopfte Biere nach Pilsner Brauart den einst so begehrten Broyhan. Ein entfernter, niederrheinischer „Nachfahre“ behauptet sich aber noch heute auf dem heiß umkämpften Biermarkt- das Alt- Bier. Ein kleines literarisches und zugleich lokalhistorisches Denkmal setzte dem Broyhan die Schriftstellerin Anselma Heine (1855-1930) in ihren Lebenserinnerungen.
„Wenn die (Erzieherin) mit uns auf der Fähre über die Saale fuhr, dann drüben am Ufer durchs Wäldchen zur „Bergschenke“ klettert und droben im Wirtshaus „Broyhan mit Musik“ angepriesen fand, war die ebenso erwartungsvoll gespannt wie wir. Und dann brachte der Kellner hohe Glasstangen voll Weißbier, aus denen lange Holzlöffel ragten.
Die „Musik“ darin bestand in geriebenem Brot mit Korinten und Zucker, das man mit Holzlöffeln herausfischte. Wir jubelten.“

So lasst uns mit Musik und einem kräftigen Schluck „neuen Broyhans“ auch heute jubeln! Ein Prosit dem Ersten Museumsfest !


Quelle: Wanderungen durch den Saalkreis; Dr Siegmar Baron v Schultze-Gallèra;
             Heimat-Verlag f. Schule und Haus Halle a.d.S.1924 Band 5


Neuere veröffentlichte Erwähnungen der Broihanschenke von Dr. Christoph  Werner
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